Delari Bag #2

Ich glaube es gibt kein anderes Nähwerk von mir, was jemals so viel von mir benutzt oder getragen wurde, wie die Delari Bag Nr 1, die ich letztes Jahr genäht habe. Ich hab sie wirklich JEDEN Tag dabei und weiß schon gar nicht mehr, wie ich davor ohne Rucksack leben konnte. Es ist so viel praktischer wie jede Umhängetasche, wenn man immer die Hände frei hat und nichts irgendwo rumschlenkert.

Was war also der logische nächste Schritt? Klar, noch ein Rucksack. Als das Schnittmuster für die delari_bag#2 heraus kam, war ich im ersten Moment angetan, aber nicht wirklich überwältigt. Aber ist ja irgendwie klar: Die delari_bag#1 zu übertrumpfen wäre auch so gut wie unmöglich gewesen, die Messlatte war einfach zu hoch. Aber trotzdem hat mich das Design (und die Designbeispiele, z.B. hier und hier) überzeugt. Vor allem, nachdem ich auf dem Stoffmarkt schönes Leder dafür gefunden hatte, konnte ich mir meinen neuen kleinen Rucksack immer besser vorstellen.

Aber lustigerweise ging es nicht nur mir so. Schon als ich die ersten Handyfotos an Freundinnen geschickt habe, kam als erste Reaktion: „Schön, aber der Erste gefällt mir besser“. Dem kann ich nur bedingt zustimmen, denn für mich sind es zwei komplett unterschiedliche Rucksäcke, die man nicht vergleichen kann, denn sie haben einen unterschiedlichem Zweck. Der neue wäre gar keine Option für einen Rucksack für den tagtäglichen Gebrauch, dafür ist er zu klein. Es passt grade mal mein Geldbeutel, ein kleines Täschchen mit Krimskrams, ein Cardigan und ein Buch rein. Zumindest in die Mini Variante, die ich genäht habe. Aber genau das hat mir gefehlt. Der große war oftmals überdimensioniert, wenn ich nur mal schnell in die Stadt bin und ich hab doch wieder zu einer kleinen Handtasche gegriffen.



Aber genug mit den Rationalisierungen, warum ich diesen Rucksack brauchen kann – ich hab ihn genäht, ganz einfach weil ich Bock drauf hatte. Schon beim Ersten hatte ich wirklich viel Spaß beim Nähen, und das war auch dieses Mal wieder so.


Schon alleine, weil es immer eine Herausforderung ist mit Kunstleder zu nähen. Und erst Recht wenn man nicht viel davon hat (weniger als im Ebook angegeben) und dann auch noch jede Menge Extrawürste haben will. Die Klappe hab ich nämlich ebenfalls innen aus Leder gemacht, nicht aus Innenstoff. Und bei mir sollte nirgendwo eine offene Kante sein, weswegen alle Laschen fast doppelt so groß zugeschnitten werden mussten wie im Ebook. Und wenn man dann auch noch hässlich absteppt und ein Teil (die Blende an der Vorderseite) neu zuschneiden muss, dann wird es mit dem eh schon knappen Stoff ein richtiges Gepuzzel.

Bei der ersten Delaribag hab ich viele offene Kanten, was auch ok ist, aber leider franst die Webware unter dem Kunstleder doch mehr als ich gedacht habe und ich muss regelmäßig die rausstehenden Fussel zurück schneiden. Kein Drama, aber dieses Mal wollte ich es besser machen. Nachteil: Man bekommt deutlich mehr Lagen Stoff, mit der die Nähmaschine erstmal klar kommen muss. Zum Glück hab ich eine robuste Bernina, die die bis zu 13 (!) Lagen Kunstleder ohne Probleme bezwungen hat. Aber geschwitzt hab ich dabei, das kann ich euch versichern.

An manchen Stellen ist es auch wirklich schwierig, die offenen Kanten zu vermeiden, zum Beispiel auf der Rückseite, wo man die Blende über die Träger- und Griffbefestigung näht, muss man das Schnitteil entgegen den Anweisungen mit Nahtzugabe zuschneiden und diese dann umklappen und feststeppen.

Die Nahtzugabe ist mit Wondertape festgeklebt, und ebenso die gesamte Blende auf das Taschenteil.  Das war wirklich viel Wondertape, hat aber aber immerhin einigermaßen ordentlich geklappt.


Ich hab mit Gütermann Knopflochgarn (grüne Rolle) abgesteppt und (ganz wichtig!) keine Ledernadeln, sondern Topstitch Nadeln verwendet. Die Ledernadeln sind bei Kunstleder meistens nicht notwendig, und würden eher Löcher machen, während die Topstitchnadeln besser durchs Gewebe dringen. Außerdem hilft es einen Teflonfuß zu verwenden, dann wird das Leder besser transportiert und die Stiche werden gleichmäßig.

Es gibt die Möglichkeit den Rucksack mit 8 oder 12 Ösen zu schließen, je nachdem ob man einen eher flachen oder sackigen Look haben möchte. Ich hatte zuerst vor 12 Ösen zu verwenden, aber hab dann nach der zehnten Öse und testweisem Einfädeln gemerkt, dass 8 Ösen doch besser aussehen, da das Leder zu steif ist, um schön sackig zu fallen. Deswegen sind bei mir jetzt 10 drin, von denen 2 nicht benutzt werden.


Eigentlich wollte ich auch eine Kordel durch die Ösen ziehen, aber das hat überhaupt nicht gepasst vom Stil. Deswegen hab ich aus meinen letzten Resten (ehrlich, ich hab nur noch Fitzel von meinen 50 cm Leder übrig) noch eine „Kordel“ genäht. Die dicken Enden durch die Ösen zu bringen, war nicht ganz einfach, aber dafür ist jetzt alles aus einem Guss. Die Kordel kann man nach dem schließen auch unter der Klappe des Rucksacks verstecken, oder sie raushängen lassen, je nach Geschmack.


Eigentlich gibt es noch Laschen an den Seitennähten des Rucksacks, um die Träger da durch zu führen, die hab ich bei mir aber wieder rausgetrennt, weil der Rucksack durch diese Extraführung komisch zusammen gequetscht wurde - was wahrscheinlich daran lag, wie mir grade beim Durchgucken der Designbeispiele auffällt, dass ich ich die D-Ring Laschen zu hoch angenäht habe. Mist.

Meine Schieber zum Verstellen sind übrigens auch nur Deko. Ich wollte unbedingt verstellbare Träger, nachdem mir das bei meiner ersten Delari Bag manchmal fehlt. Je nach Jacke rutschen die Träger nämlich mal mehr oder weniger. Blöderweise funktioniert das aber nicht, wenn man die Träger aus den letzten Resten Leder rausquetscht - der Lederstreifen muss insgesamt mindestens 2,40 m lang sein, damit sie verstellbar sein können. Meiner ist nur 2 m. Und selbst wenn das gereicht hätte: Die Träger sind einfach zu dick. Sie passen zwar 3 mal durch den Schieber durch, der lässt sich dann aber nicht mehr bewegen, sind schließlich auch wieder 12 Lagen Leder. Klappt aber bestimmt gut, wenn man die Träger offenkantig verarbeitet.



Auch der Außenreissverschluss hat mich viel Nerven gekostet und ich hab lange hin und her überlegt, ob ich ihn wirklich brauche. Bei der Delari Bag Nr 1 wird der rückwärtige Reissverschluss einfach zwischen Ober und Unterteil genäht und abgesteppt. Hier ist es ein eingesetzter Reissverschluss, der durch die dicken Lederschichten super schwierig zu nähen ist. Man muss das Futter nach innen ziehen und darauf achten, dass es nicht sichtbar ist, während man das Leder gleichzeitig schön absteppt. Ist mir nicht wirklich gelungen, am meisten ärgert mich, dass ich den Reissverschluss mit zu viel Reissverschlussband sichtbar eingesetzt habe. Zum Glück sieht man den Reissverschluss nicht, wenn man den Rucksack trägt. Ich hätte ja noch eine Blende (ebenfalls im Ebook enthalten) über den Reissverschluss nähen können, aber wie gesagt: kein Leder mehr da.


Die gleiche Technik wie bei der Delaribag Nr 1 zu verwenden geht übrigens nicht, denn der Rucksack legt sich durch die Ösen-Methode ja in Falten und der Reissverschluss würde, ginge er von Seitennaht zu Seitennaht, ebenfalls bis in die Falten hineinreichen.

Mein Fazit: die Delaribag Nr 1 ist einfacher zu nähen (glaubt man gar nicht, ne?), denn es gibt weniger Stellen, an denen man richtig gut aufpassen muss, dass nichts verrutscht, oder dass man super ordentlich arbeitet. Daher sollten Rucksackneulinge definitiv eher mit diesem Ebook starten. Trotzdem hat mir das Nähen sehr viel Spaß gemacht und ich bin super zufrieden mit dem Ergebnis. Der Rucksack hat sich schon als praktisch erwiesen, auch wenn ich am Anfang aufgrund der Ösen / Magnetverschluss Lösung eher skeptisch war.


Trotzdem fehlen mir vor allem die beiden kleinen seitlichen Taschen, die die Delari Bag Nr 1 hat. Wenn man den Rucksack nach vorne klappt, kann man da nämlich super schnell Krimskrams wie Schlüssel oder Parkticket oder so drin verstauen. 


So, das waren jetzt viele Infos, und ich hoffe ich hab niemandem zu große Angst vor Kunstleder oder dem Rucksack nähen eingejagt, denn das ist das letzte was ich will. Proiert es aus, ihr werden überrascht sein, wie schnell man ein professionell aussehendes Ergebnis bekommt!

Und falls man doch mal nicht weiter kommt oder Fragen hat, dann hilft die liebe Nine von Delari wirklich sofort.

Bis bald, 
Eure Nina


Für später merken


Verlinkt bei Creadienstag, Meertje, HandmadeOnTuesdayDienstagsdinge, Taschen und Täschchen

Wärmflaschenhülle mit Hand Lettering

Life is better with warm feet – ein Statement das ich absolut unterschreiben kann! Als chronisch von eiskalten Füßen Geplagte, wird bei mir die Wämflasche (oft mehrmals) täglich befüllt. Und weil ich (natürlich ;-) ) das Leben von allen um mich herum verbessern will, gabs die Hüllen samt Flasche dieses Jahr für Freunde und Verwandte zu Weihnachten. Die Idee kam mir (wie immer bei den besten Ideen) erst kurz vor knapp.
 

Irgendwo im hintersten Winkel meines Gedächtnisses hat sich die coole Wärmflasche von Schönste Bastelzeit eingespeichert, mit dem tollen Plot Freebie von Miri-D. Die hab ich vor Ewigkeiten auf Instagram gesehen und wollte sie UUUNBEDINGT nachnähen – schon alleine, weil auf meiner eigenen immer noch die gammlige Kaufhülle drauf war.

Nachdem der Entschluss gefasst war (2 Tage vor Weihnachten und mit gefühlt Null Nähzeit vor Heiligabend) war der Ablauf ungefähr so: