Etuikleid nach Maßschnitt von Komode

Habt ihr auch schonmal davon geträumt ein Kleid, das perfekt passt, zu nähen? Keine großen Anpassungen, kein Stress vorher bei der Auswahl des Schnittmusters und keine Angst um den teuren Stoff? Hört sich doch zu gut an um wahr zu sein sein, oder? Aber: es geht! Vor ein paar Wochen hab ich eine Kooperations-Anfrage von Komode Maßschnitte* bekommen, ob ich denn mal Lust auf einen Maßschnitt hätte. Was für eine Frage! Ihr wisst, ich bin eher zurück haltend mit Kooperationen und nur, wenn ich etwas für interessant genug halte, und mir für euch einen wirklichen Mehrwert vorstellen kann, nehme ich diese an. Und weil es mich meistens stresst "abliefern" zu müssen. Aber bei den Maßschnitten war meine Neugier sofort geweckt und ich hab mir gedacht, dass sich bestimmt jeder von euch, der auch nur ein bisschen Zeit mit anpassen verbracht hat, für meinen Bericht interessieren könnte. Passenderweise war ich zur gleichen Zeit auf der Suche nach einem schicken Etuikleid Schnittmuster für die anstehenden Familienfeste, aber nichts hat mir wirklich gefallen. Nach meinen letzten schickeren Kleid (Lilou) mit ausgestelltem Rock wollte ich gerne etwas weniger Niedliches, Mädchenhaftes. Und am besten etwas, was weniger Anpassungen erfordert. Bei Lilou hab ich ja fast die Krise gekriegt mit den ganzen Anpassungen (nachzulesen hier). Also war ich super motiviert und happy, als ich die Anfrage bekommen habe und hab mich direkt vermessen, beziehungsweise vermessen lassen, denn damit startet der Weg zum eigenen Maßschnitt.

Man füllt ein Formular aus und trägt alle Maße ein. Es werden natürlich nicht nur die "üblichen" Maße wie Brustumfang, Taillenumfang etc. abgemessen, sonder auch zum Beispiel Sitzhöhe, Schulterbreite, Brusttiefe und noch viele mehr. Die Maße schickt man dann an Sabine von Komode Maßschnitte. Sie überprüft alle Werte nochmal auf Plausibilität und wenn ihr etwas komisch vorkommt, fragt sie nochmal nach. Ich hab anfänglich was beim Halsumfang falsch verstanden, mein Fehler wurde aber gleich bemerkt, weil der Wert nicht zu den restlichen gepasst hat. Aus den Maßen erstellt Sabine dann den Maßschnitt nach den entsprechenden Wünschen, bei mir war das ein schickes Etuikleid.


Ich wollte Wiener Nähte (das sind die Teilungsnähte vorne und hinten am Oberteil, die finde ich schicker und einfacher zu nähen als Abnäher), einen geraden Rock und optionale Ärmel. Dafür hat Sabine mir eine Nahtlinie für ein ärmelloses Kleid und ebenso für ein Kleid mit kurzen Ärmeln eingezeichnet.


So, spätestens an diesem Punkt fragt ihr euch wahrscheinlich wieviel so ein Maßschnitt wohl kostet. Ich war selbst überrascht, denn es ist gar nicht so kostspielig, wie ich vermutet hatte. Für ein Oberteil liegt man bei 20 Euro, ein Rock kostet 25 Euro. Und für die Ärmel zahlt man nochmal 5 Euro extra. Auch Hosen bietet sie für 30 Euro an. Absolut faire Preise wie ich finde, denn was man dafür bekommt, ist das Geld allemal wert. Der Maßschnitt kam schon 2 Tage nach dem Ausmessen per Email im A0 Format bei mir an, perfekt zum plotten lassen oder zum zuhause ausdrucken.

Vor dem ersten Nähen hab ich noch Nahtzugabe hinzugefügt, die ist im Schnitt nicht enthalten, da auch keine Anleitung dabei ist, denn der Schnitt ist ein Grundschnitt, der für viele unterschiedliche Kleidungsstücke dient. Mein erstes Kleidungsstück war ein Probekleid aus Nesselstoff und ich war super zufrieden mit dem Sitz. Der Ausschnitt lag schön an, die Armlöcher (die ich beim Probemodell natürlich ohne Nahtzugabe zugeschnitten habe) waren genau an der richtigen Stelle und der Brustpunkt saß genau da, wo er sein sollte und es gab kein Zuviel an Stoff, über der Brust wie bei meinen ersten Lilou Kleid. Einzig die Seitennähte musste ich ein bisschen einnehmen, aber das ist ja eher persönliches Empfinden, wie eng anliegend ein Kleidungsstück sein sollen.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum mein "echtes" Kleid eine Kellerfalte hat, die man auf dem Maßschnitt nicht sehen kann. Ich könnte euch jetzt erzählen, dass das volle Absicht ist, und ich gleich bei meinem ersten Versuch ein bisschen was abändern wollte. Ja Pustekuchen. Ich hab mal wieder nicht auf mich selbst gehört und einen leicht dehnbaren Webwarestoff genommen. Mein Probekleid hab ich aber aus nichtdehnbarem Stoff, wie empfohlen, genäht. Dass ich ein paar kleine Änderungen vornehmen muss, weil der Stoff leicht dehnbar ist, war mir bewusst und obwohl ich eigentlich genau solche "kleinen Änderungen" vermeiden wollte, fand ich den Stoff so schön, dass ich es in Kauf genommen habe.

Notiz an mich: Nein, das machen wir nicht nochmal! Das nächste mal wird nicht dehnbarer Stoff genommen! Durch die Dehnbarkeit des Stoffs hat sich nämlich der Halsausschnitt leicht geweitet (obwohl ich gestaystitcht habe - keine Ahnung wie das auf deutsch heißt) und stand leider ziemlich ab. Das sah so doof aus, dass ich mir was überlegen musste. Die Kellerfalte hat dann das Rennen gemacht und ich muss sagen, es gefällt mir fast besser als vorher. Einziger Nachteil: die Armlöcher, die sich davor perfekt angeschmiegt haben, sind ein wenig Richtung Brust gewandert und es entstehen diese kleinen nervigen Hautfalten zwischen Trägerstoff und Achseln. Ihr wisst, was ich meine...Ja das nächste mal gerne wieder mit Kellerfalte, aber dann wirklich mit Absicht und korrekt abgeändert. Übrigens ist es gar nicht mal so einfach eine Kellerfalte nachträglich einzufügen, weshalb ich es komplett von Hand innerhalb des Futters machen musste. Nun ja, der dehnbare Stoff war einfach generell keine intelligente Idee, denn ich musste auch ordentlich an den Seiten und Abnähern Stoff weg nehmen. Also im Endeffekt doch einige Änderungen, die gemacht werden mussten. Aber wie gesagt, meine eigene Schuld. Und die wirklich wichtigen Fixpunkte wie Taille, Brustpunkt, und Abnäher im Rock waren davon zum Glück nicht betroffen. Ich hab mal wieder gemerkt, wie sehr man bei einem solchen Projekt aufpassen muss, dass man nicht anfängt zu "overfitten". Also überall noch etwas sieht, was man vielleicht noch verbessern könnte und am Schluss nur noch "verschlimmbessert". Da musste ich gegen Ende einfach mal einen Schlussstrich ziehen und sagen, so, es reicht jetzt, besser wird es nicht.

Zurück zum Nähen: ich hab das Oberteil gefüttert, in die hintere Mitte einen nahtverdeckten Reissverschluss eingenäht, wobei ich den das nächste Mal vielleicht lieber in die Seite setzen sollte. Irgendwie hat sich nämlich beim Einnähen der Stoff auch leicht verzogen, sodass sich unschöne Querfalten gebildet haben. Ich musste den Reissverschluss noch ein zweites mal einsetzen, dieses Mal mit heften vorher und es hat sich fast gelegt. Aber hundertprozentig zufrieden bin ich noch nicht. Was meint ihr? Ist das Einsetzen in der Seite einfacher?

Den Saum hab ich von Hand mit Blindstich genäht, was super ging, da der Stoff von der Struktur ähnlich wie Brokat gewebt ist und auf der Rückseite einzelne Querfäden hat, durch die man gut nähen kann, ohne dass man es auf der Vorderseite sieht.

So, mein Fazit: beim Nähen hab ichs mir durch meine Stoffwahl mal wieder schwerer als nötig gemacht, denn der Maßschnitt ist wirklich super! Mit wenig Aufwand habe ich ein wunderbar sitzendes Kleid bekommen. Den Rock kann ich einzeln verwenden, und auch das Oberteil bietet mir einen super Grundstock an Möglichkeiten.

Ich hoffe ja sehr, dass ihr euch nun auch ein bisschen für einen Maßschnitt interessiert, denn ich kann mir vorstellen, dass das vor allem für diejenigen, mit Maßen außerhalb der "Standard"-Werte, eine tolle Möglichkeit ist, sich kreativ auszuleben ohne von den Änderungen erschlagen zu werden.

Bis bald,
eure Nina

*Der Maßschnitt wurde mir von Komode Maßschnitte kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung und dieser Beitrag wurden davon aber nicht beeinflusst.

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Kommentare:

  1. Ein wunderschönes Kleid, dass Dir hervorragend steht. Suchst Du die Blüten im Hintergrund zu Deinen Stoffen aus oder anders herum. Auf Instagram war ich schon von dem Racertop Foto ganz begeistert.
    Liebe Grüße, Julia

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    1. Haha, danke! Nein, das war tatsächlich Zufall. Aber es ist auch grade so schön draußen, dass man wahrscheinlich zu fast jedem Stoff ein passenden Busch finden würde ;-)

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  2. Oh ja, das mit dem Verschlimmbessern kenne ich auch zu gut. Habe bei meinem heutigen Kleid auch mal über den Perfektionismus hinweg gesehen ;)...
    Das Kleid steht dir unwahrscheinlich gut!!! Und ich finde, dass die Kellerfalte dem Ganzen noch das gewisse Extra gibt, auch wenn es nicht gewollt war. So ein Maßschnitt hat schon was - sollte ich mal so etwas schickes brauchen, werde ich es mir auf alle Fälle vormerken!

    Liebe Grüße,
    Katja

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  3. Das Kleid passt wirklich ganz hervorragend zu Dir! :)
    Schöne Stoffauswahl zum Schnitt <3

    Liebste Grüße
    Jacky

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  4. Ein wirklich wunderschönes Kleid! Damit wirst du der Hingucker auf den Familienfesten sein :-)
    Viele Grüße,
    Katrin

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  5. Was für ein tolles Kleid. So ein Maßschnitt ist wirklich jeden Cent wert.
    Herzlichst Ulla

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  6. Dein Kleid habe ich heute früh schon via Facebook bewundert - das ist einfach toll geworden und steht Dir ausgezeichnet!

    Solch einen Maßschnitt werde ich auf jeden Fall zeitnah testen und das obwohl ich ja eigentlich nicht so "Werbe"-Post mag ;-)
    Ich persönlich tu mir immer sehr schwer Armausschnitte zu verändern und vielleicht wäre der Oberteilschnitt (der für elastische Stoffe geeignet ist) eine absolut lohnenswerte Investition.

    Viele Grüße
    Steffi

    PS: Und wenn der Oberteilschnitt 1a passt, dann möchte ich UNBEDINGT auch so ein Kleid ;-)

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    1. Danke dir! Ja ich bin da auch inzwischen etwas "vorsichtiger", was Werbung betrifft und versuche gut zu unterscheiden, was für euch interessant sein könnte. In dem Fall war ich wirklich überzeugt vom Konzept :) viel Spaß beim nähen und viel Erfolg mit deinem Maßschnitt!

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  7. Hallo Nina,
    das Kleid ist wunderschön. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass die Kellerfalte eine Notlösung ist. Das hast du perfekt gelöst.
    Liebe Grüße
    Marion

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  8. Liebe Nina, das Kleid sieht wunderschön aus. Vielen Dank für den Tipp mit der Maßanfertigung. Ich finde es toll, dass du wählerisch bei den Kooperationen bist. Bis jetzt passt alles prima zu deinem Blog und wirkt nicht aufdringlich oder gewollt. Ich freue mich auf viele weitere spannende Beiträge.
    Liebe Grüße
    Britta

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  9. Schön geworden ist dein Etuikleid. Und es aitzt nun wie es soll. Auch wenn du durch den dehnbaren Stoff ein paar zusätzliche Schrittecmachen musstest.
    Viel Freude damit.
    LG Christine

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  10. Der Stoff ist wunderbar und das Kleid steht dir perfekt. Ich fand vor allem die Kellerfalte sofort toll ;-)

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  11. Wow, sehr sehr edel. Sitzt wie angegossen. Tolle Arbeit und tolle Fotos.
    Grüße aus dem Naehmannsland

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  12. Also ich habe schon mal davon geträumt, ein Kleid zu haben, was gut an mir aussieht. Dass ich das vielleicht sogar selbst nähen könnte, davon würde ich nie im Leben träumen, denn für mich ist gerade sogar das Kimono-Tee noch Herausforderung genug...

    Als ich dein Foto vorhin im Readr sah, bin ich echt baff gewesen - das ist ja sowas von traumhaft schön!! Meine Bewunderung (und meinen Neid) hast du damit voll und ganz verdient!!

    Von Maßschnitten habe ich noch nie gehört, aber das, was du erzählst, klingt spitze. Meine Proportionen sind nämlich leider so komisch, dass mir nichts auf Anhieb gut passt :( Haha - gerade, als ich anfing, mir über den Preis eines solchen Schnitts Gedanken zu machen, hast du den Punkt aufgegriffen. Ich hätte erwartet, dass das wesentlich teurer ist, da ja "normale" Schnittmuster schon eine Menge kosten, wenn man bedenkt, dass man auch noch Material kaufen muss und Kleidung im Laden fertig dann nur einen Bruchteil des Selbstgenähten kostet...

    Die Kellerfalte finde ich übrigens verdammt hübsch. Sowas würde ich auch sooo gern hinbekommen...

    Naja, ich sollte wohl einfach mal mehr üben, zu nähen, statt nur Nähblogs zu lesen und zu träumen ;)

    Gratuliere zum schicken Kleid!!!

    Liebe Grüße

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  13. Liebe Nina, das Kleid ist wirklich toll geworden! Ich kann verstehen, dass du dich trotz der Dehnbarkeit für diesen Stoff entschieden hast, er steht dir wirklich sehr gut. Die Idee mit dem Schnittmuster nach Maß gefällt mir auch sehr gut. Allerdings muss ich zugeben, dass das Anpassen des Schnittmusters für mich auch immer zum Nähen dazugehört und ich dabei auch immer etwas über die Passform lerne. Aber besonders für Schnitte aus nicht dehnbaren Stoffen, kann ich mir gut vorstellen, dass es die Nerven schont, wenn das Schnittmuster auf den Körper zugeschnitten ist;)
    Liebe Grüße, Crissie

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  14. Das Kleid ist ganz wundervoll, auch mit - vielleicht sogar ein wenig wegen - der Kellerfalte, die mir gut gefällt.

    Danke für den Tipp, Schnittmuster nach Maß waren mir neu. Ich finde diese gerade für Webware mehr als interessant... und muss mir das unbedingt merken.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Manu

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  15. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit ich schon mit Konstruieren verbracht habe, ist dieses Angebot wirklich sehr günstig. Und dein Kleid ist wunderschön geworden! Regina

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Hallo ihr Lieben,
ich freue mich riesig über jeden Kommentar, jede Frage und jede (konstruktive) Kritik. Schreibt fleißig drauf los ;-)
Eure Nina